„Ich hoffe so sehr ich darf in Bio schreiben, eine Facharbeit in Sowi wäre ja schrecklich!“ Jeder, der in der Oberstufe war, kennt dieses Gefühl. Das Bangen vor der Facharbeit, die Erleichterung (oder das Entsetzen), wenn man endlich
Gewissheit bekam und natürlich auch der Stress in den Wochen vor der Abgabe. Das erwartet jeden, der in die Oberstufe eintritt… oder? Die Zukunft heißt: Projektkurse. Anstelle einer Facharbeit wird nun ein neuer Kurs für die 13 gewählt. Aber was genau ist ein Projektkurs und wie findest du heraus, welcher zu deinen Vorstellungen passt?
Bei den Projektkursen soll es fachspezifische Angebote geben und Schülerinnen und Schüler sollen lernen, wissenschaftlich zu arbeiten.
Hierbei soll am Ende jedoch kein Textdokument entstehen, sondern eine frei gewählte Präsentationsform. Ob PowerPoint, Poster, Kunstaustellung oder Videobeitrag – alles ist möglich. Der Projektkurs ersetzt einen anderen Grundkurs und belegt die zwei Stunden, die dadurch frei werden. Am Ende des
Projektkurses steht, anders als bei der Facharbeit, eine Ganzjahresnote.
Ist nur die Frage, warum das ganze? Die Antwort lautet: KI.
Immer öfter werden Künstliche Intelligenzen wie ChatGPT verwendet, um Facharbeiten schnell und einfach zu schreiben. Damit geht jedoch der ganze Sinn verloren, denn eigentlich sollten die Facharbeiten den Schülerinnen und
Schülern das wissenschaftliche Arbeiten beibringen, wie es auch später an der Uni geschieht. Da jedoch auch das an den Universitäten immer seltener wird, passen sich die Schulen an. Die Q1 konnte sich im Schuljahr 24/25 noch aussuchen, ob sie Facharbeit schreiben oder einen Projektkurs belegen wollte. Für beides gibt es verschiedenste Gründe.
Das Konzept der Facharbeiten existiert nun schon jahrelang und ist dementsprechend klar ausgearbeitet. „Da ich eine sehr strukturierte Person bin, brauche ich eine komplette Planung, die mir zum Beispiel die Gliederung und die Gespräche der Facharbeit bieten. Ich fände es schade, wenn dieses Angebot abgeschafft werden würde“, sagt Zoe aus der Q1. Die Facharbeitsgespräche, die maximale Seitenzahl und sogar die Seitenabstände und Schriftgrößen sind vorgegeben und können somit eine Art der Sicherheit
bieten und Struktur und Klarheit verschaffen.
Im Gegensatz dazu sind Projektkurse zwar neu, bieten dadurch aber auch modernere und freiere Vorgaben. Vor allem für kreative und praktisch veranlagte Schülerinnen und Schüler sind diese Projektkurse also perfekt. Lotta aus der Q1 sagt deswegen: „Ich habe mich für den Bio-PK entschieden, weil ich später Biologie studieren will und es mich mehr interessiert, als eine „einfache“ Facharbeit zu schreiben. Unter anderem werden wir viele Experimente machen und das macht mir viel Spaß. Ich hatte bis jetzt noch keine Stunde im PK, aber es ist auf jeden Fall für alle interessant, die sich für Biologie oder Chemie interessieren.“
So schön das jedoch auch klingt, nicht alles an dem Projektkurs ist vorteilhaft. Wenn man beispielsweise in einem Fach besonders begabt oder interessiert ist, kann es dazu kommen, dass es gerade dafür kein Angebot gibt. Besonders das wäre bei einer Ganzjahresnote fatal und könnte Schülerinnen und Schülern Probleme bereiten. Jetzt, wo die Fachabeiten abgegeben wurden, haben einige
Schülerinnen und Schüler auch ihre Meinung zu den Facharbeiten geändert. Damian, der eine Facharbeit in Sowi über Kryptowährung geschrieben hatte, bereut seine Entscheidung und sagt: „Man ist öfters gestresst, weil man
neben der Klausurenphase die Facharbeit bearbeiten muss und zusätzlich die Hausaufgaben auf einen warten, die man in dem Fach bekommt, in dem man schreibt. Also man erarbeitet mehr Informationen als vorher. […] Die Zeit geht
schneller um, als man denkt. Man muss früher anfangen, als die Klausurenphase ist.“
Natürlich bedeuten die Projektkurse sowohl für die Lehrkräfte als auch für die Schülerinnen und Schüler weniger Stress, aber es ist ein großer Unterschied, ob man eine Klausur ersetzt, oder ein ganzes Fach. Ein Fach abzuwählen ist ebenfalls angenehm, allerdings sind Projektkurse viel umfangreicher als normaler Unterricht und eine normale Facharbeit, aber vielleicht auch
unspezifischer. Ein weiterer Grund, warum Zoe sich für die Facharbeit entschieden hat, ist eben diese Unsicherheit. „Der größte Nachteil für mich bestand jedoch darin, dass ich keine hundertprozentigen Informationen über die Benotung und die letztendliche Abgabe hatte. Muss ich ein Portfolio erstellen, ein Modell bauen oder doch eine Präsentation vorbereiten?“ Ganzjahresnoten kann man ebenfalls sowohl positiv als auch negativ bewerten.
Im Allgemeinen muss jeder für sich entscheiden, was am besten zu ihm passt. Egal ob Facharbeit oder Projektkurs, beides hat seine Vor- und Nachteile und mit genügend Vorbereitung und Überlegung könnt ihr für euch eine gute Entscheidung treffen.


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