Für Kunst und Sport braucht man ein gewisses Talent – doch was passiert, wenn man dieses nicht hat?
Immer häufiger hört man Gespräche auf dem Schulflur über die Fächer Sport und Kunst. Diese Fächer sind ein beliebtes Diskussionsthema, da sie als entscheidend für die schulische und persönliche Entwicklung gelten. Gleichzeitig wird jedoch häufig kontrovers über ihre Bewertung diskutiert. Während einige Schülerinnen und Schüler Leistungsdruck und mangelnde Fairness empfinden, sehen andere in diesen Fächern eine Möglichkeit, ihren Notendurchschnitt zu verbessern. Da Themen wie Benotungen und der Druck, gute Noten zu haben, Schülerinnen und Schüler stark beschäftigen, haben Sport und Kunst je nach Person einen unterschiedlichen Einfluss auf das Erreichen des gewünschten Notendurchschnitts.
Dieser Artikel befasst sich mit der Frage, ob Sport und Kunst weiterhin bewertet werden sollten und ob alle Schülerinnen und Schüler die gleichen Chancen haben, eine gute Note zu erzielen.
Warum Kunst und Sport eine wichtige Rolle spielen
Die Fächer Sport und Kunst sind vom Grundgedanken her von großer Bedeutung. Sport bietet Bewegung als Ausgleich zum sitzenden Schulalltag, fördert Teamfähigkeit, körperliche Gesundheit und kann auch zum Stressabbau führen. Kunst wiederum stärkt Kreativität, Ausdrucksvermögen und Wahrnehmung. Dennoch zeigt der Blick auf den Alltag vieler Schülerinnen und Schüler, dass Noten in diesen Fächern auch zu Belastungen und Verunsicherungen führen können.
Wie wird bewertet und wo liegt das Problem?
Für die Benotung in den Fächern Sport und Kunst existieren feste Kriterien. Betrachtet man die Vorgaben genauer, gibt es verschiedene Bewertungsbereiche, die Schülerinnen und Schüler erfüllen können, unabhängig von den rein praktischen Leistungen. Dazu gehören unter anderem Engagement, Anstrengungsbereitschaft, Sozialverhalten, mündliche Beteiligung sowie das Mitbringen von Material oder Sportsachen. Doch liegt nicht vielleicht genau hier ein Problem?
Im Fach Sport hängt die Bewertung stark von der jeweiligen Unterrichtsreihe ab. Die Lehrkraft setzt für jedes Thema einen Schwerpunkt, der häufig auf der reinen Leistung liegt. Dabei müssen nicht immer alle drei Dimensionen (sachbezogen, sozial, personal) gleichwertig einbezogen werden.
Im Fach Kunst hingegen nimmt die mündliche Beteiligung oft nur einen kleineren Teil der Gesamtnote ein, während der größte Anteil aus praktischen Arbeiten besteht. Die genaue Gewichtung kann jedoch je nach Schule und Lehrkraft variieren.
Die Benotung nach Leistung erscheint vielen Schülerinnen und Schülern als unfair, da sie nicht alle mit denselben körperlichen Voraussetzungen starten. Dies ist ein Faktor, der besonders im Sportunterricht von großer Bedeutung ist. Zwar wird in Bewertungstabellen zwischen Jungen und Mädchen unterschieden, doch auch innerhalb dieser Gruppen gibt es große Unterschiede. Manche sind von Natur aus schneller, stärker oder koordinierter, andere größer oder kleiner, schmaler oder kräftiger gebaut.
Ein Schüler berichtet beispielsweise, dass er beim Hürdenlauf deutlich schlechter abschnitt, weil er kleiner war als seine Mitschülerinnen und Mitschüler. Dieser Faktor wurde in der Benotung nicht berücksichtigt, da Lehrkräfte dazu nicht verpflichtet sind. Solche Unterschiede können das Gefühl verstärken, trotz Anstrengung schlechtere Chancen zu haben. Gleichzeitig wird es immer schwieriger, alle mit denselben Maßstäben zu bewerten, wenn nicht einmal die körperlichen Startbedingungen vergleichbar sind.
Hinzu kommt, dass Kunst und Sport Fächer sind, mit denen sich viele Schülerinnen und Schüler auch in ihrer Freizeit beschäftigen. Dadurch bringen manche deutliche Vorteile mit, sei es durch Vereinssport oder durch jahrelanges Zeichnen und Arbeiten mit bestimmten Materialien und Techniken.
Gerade in Kunst spielt außerdem der persönliche Geschmack eine wesentliche Rolle. Was eine Lehrkraft als kreativ und gelungen empfindet, kann eine andere möglicherweise anders bewerten, da es oft kein eindeutiges „richtig“ oder „falsch“ gibt. Das lässt sich den Lehrkräften kaum vorwerfen, da solche Eindrücke automatisch entstehen. Dennoch führt dies zu einer Benotung, die nicht immer als fair wahrgenommen wird und unterschiedliche Folgen für die Schülerschaft haben kann.
Welche Folgen kann dies für Lernende haben?
Zum einen kann die starke Ausrichtung auf Leistung den Noten- und Leistungsdruck erhöhen. Viele Schülerinnen und Schüler empfinden dadurch mehr Stress, was sich negativ auf die mentale Gesundheit und das soziale Miteinander auswirken kann.
Hinzu kommt außerdem, dass sich Schülerinnen und Schüler in diesen Fächern schämen oder unwohl fühlen. Vor anderen laufen zu müssen, an Geräten zu scheitern oder die eigene Zeichnung zu präsentieren, kann für manche zur Belastung werden. Dies führt dazu, dass man sich ständig mit anderen vergleicht. Auch Ausgrenzung kann eine Folge sein, etwa wenn man bei der Teambildung regelmäßig als Letztes gewählt wird oder wenn über eine weniger realistische Zeichnung gelacht wird.
Natürlich können in diesen Fächern auch schöne und gemeinsame Erinnerungen entstehen. Werden negative Erfahrungen jedoch zu einem dauerhaften Zustand, verlieren viele Schülerinnen und Schüler den Spaß am Unterricht. Wiederholte Bloßstellungen oder das Gefühl, den Anforderungen der Lehrkraft nicht gerecht zu werden, können Frustration und Selbstzweifel auslösen. Manche entwickeln ein Gefühl von Ungerechtigkeit oder Ungleichbehandlung und werden zunehmend demotiviert, da sie glauben, dass sich ihre Anstrengungen ohnehin nicht auszahlen. Diese negativen Gedanken können sich auch auf andere Fächer übertragen.
Nicht alle Schülerinnen und Schüler sind von solchen Folgen betroffen. Gerade diejenigen, die sich in ihrer Freizeit mit Sport oder Kunst beschäftigen, starten oft mit Vorteilen. Wer beispielsweise schon lange zeichnet oder eine bestimmte Sportart trainiert, hat meist bessere Chancen auf gute Noten. Das kann motivierend wirken und den Druck verringern. Wird der individuelle Lernfortschritt jedoch nur selten berücksichtigt und zählt vor allem das Gesamtergebnis, können die beschriebenen negativen Folgen verstärkt auftreten. Dabei sollten gerade Kunst und Sport eigentlich Fächer sein, die Freude, Kreativität und positive Erlebnisse fördern.
Wie könnte Bewertung fairer gestaltet werden?
Um die Belastung zu reduzieren und Chancen anzugleichen, werden verschiedene Alternativen diskutiert, die in Betracht gezogen werden könnten, um die Benotung in Sport und Kunst fairer zu gestalten oder neu zu denken.
Eine Möglichkeit wäre eine bewertungsfreie Teilnahme, sodass Schülerinnen und Schüler weiterhin von den positiven Aspekten der Fächer profitieren können, ohne unter Leistungsdruck zu stehen. Ebenso könnte die individuelle Leistungsentwicklung stärker in den Mittelpunkt rücken, um persönlichen Fortschritt zu würdigen, anstatt ausschließlich mit Normen und Vergleichswerten zu bewerten.
Auch alternative Bewertungsformen wären denkbar, etwa das Sammeln von Zertifikaten, um Kreativität, Teamfähigkeit oder besondere Anstrengungen zu dokumentieren. Eine weitere Option wäre eine Wahlmöglichkeit, bei der Lernende entscheiden können, ob die Fächer Sport und/oder Kunst in ihren Notendurchschnitt einfließen oder lediglich als Teilnahme vermerkt werden.
Gerade weil sich viele Schülerinnen und Schüler benachteiligt fühlen, lohnt es sich, über solche Alternativen nachzudenken. Sie könnten nicht nur den Leistungsdruck reduzieren, sondern auch andere Aspekte stärker in den Vordergrund rücken, etwa das soziale Miteinander, die persönliche Entwicklung und die Förderung von Kreativität. So könnten neue Fähigkeiten, Interessen oder Stärken entdeckt werden, die im regulären Unterricht oft zu kurz kommen.
Auf diese Weise könnte der Schulalltag insgesamt zu einer positiveren und motivierenderen Erfahrung werden, da Schülerinnen und Schüler nicht nur über ihre Leistung in einzelnen Fächern, sondern auch über ihre Persönlichkeit und ihren Entwicklungsweg wahrgenommen und wertgeschätzt würden.


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