Klimapolitik: Was ist seit Fridays For Future wirklich passiert?

Der Höhepunkt einer Bewegung

Am 20. September 2019 gingen in Deutschland 1,4 Millionen Menschen auf die Straße, um in 575 Städten für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Allein in Berlin waren es 270.000 Menschen. Es war der größte Klimastreik, den Deutschland je gesehen hat. Vor allem für die jüngste Generation war das ein Grund, um auf die Straße zu gehen und es hat demzu das Interesse vieler junger Menschen geweckt.

Davor gab es zwei extrem heiße Sommer und den Streit um den Hambacher Forst (ein ehemals 5.500 Hektar großes, ökologisch wertvolles Waldgebiet, das seit Jahrzehnten für den Braunkohletagebau der RWE Power AG gerodet wird und zu einem internationalen Symbol der Klimaschutzbewegung und des Kohleausstiegs wurde).

Das Thema Klimawandel war so präsent wie nie – sogar bei Google wurde an diesem Tag am häufigsten danach gesucht. Nun stellt sich jedoch die Frage: Was wurde aus den Versprechen von damals? Wurden wir enttäuscht?

Die Versprechen

Drei große Versprechen prägten diese Zeit: Das Pariser Abkommen von 2015 arbeitet daran, dass die Erderwärmung auf höchstens 1,5 bis 2 Grad begrenzt werden soll. Durch das deutsche Klimaschutzgesetz von 2021 wurde es verschärft, nachdem das Verfassungsgericht die alte Version für zu schwach erklärt hatte. Seitdem gilt, dass bis 2030 65 % weniger Treibhausgase ausgestoßen werden sollen als 1990 – bis 2045 will Deutschland klimaneutral sein. Außerdem wurde 2019 der EU Green Deal vorgestellt. Das geschah mit dem Ziel, Europa zum ersten klimaneutralen Kontinent der Welt zu machen.

Europa setzt also drei klare Ziele, die in dem Interesse der Menschen handeln. Aber was ist davon wirklich umgesetzt worden?

Was ist nun wirklich passiert?

Als Fazit zeigen sich positive und negative Aspekte. Deutschland hat sein Klimaziel für 2025 erreicht. Der Ausstoß an Treibhausgasen lag sogar leicht unter dem erlaubten Wert. Seit 1990 wurden die Emissionen um fast die Hälfte gesenkt. Auf der anderen Seite zeigt sich jedoch, dass ab 2026 das Tempo nicht mehr reicht. Damit Deutschland sein 2030-Ziel noch erreicht, müssten die Emissionen jetzt deutlich schneller sinken als bisher. Besonders Verkehr und Gebäude hängen hinterher – dort steigen die Emissionen sogar wieder leicht an. Auch das Ziel für 2040 wird mit den aktuellen Maßnahmen verfehlt.

Auf EU-Ebene sieht es ähnlich aus. Der Green Deal steht unter Druck, weil die EU-Kommission viele Regeln für Unternehmen wieder lockern möchte. Auch das geplante Ende für Verbrennermotoren wurde inzwischen gekippt. Der Widerstand aus Industrie und Politik gegen strenge Klimaregeln ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Kurz, aber hart: Die Ziele stehen zwar noch auf dem Papier, aber der politische Wille, sie wirklich umzusetzen, hat stark nachgelassen. Die Menschen setzen auf die jüngere Generation, obwohl genau da das Thema Klimapolitik nicht mehr als interessant verkauft wird.

Fridays For Future hat verloren – neue Bewegungen entstehen

Auch auf der Straße hat sich viel verändert. Die Teilnehmerzahlen bei Klimastreiks sind seit 2019 stark gesunken. 2024 kamen bundesweit noch etwa 75.000 Menschen zum globalen Klimastreik – 2025 waren es noch weniger. Ein möglicher Grund dafür ist, dass die große Begeisterung sich nicht ewig halten lässt. Seit 2020 kämpfen außerdem Pandemie, Krieg und steigende Preise um die Aufmerksamkeit der Menschen. Das heißt aber nicht automatisch, dass die Klimabewegung gescheitert ist.

Deutlicher verändert hat sich die „Letzte Generation“. Bekannt wurde sie durch Straßenblockaden, bei denen sich Aktivisten festklebten. Ende 2024 kündigte die Gruppe an, sich neu aufzustellen. Sprecherin Carla Hinrichs sagte, man könne nicht mehr sicher sein, wirklich die „letzte Generation“ vor dem Klima-Kollaps zu sein. 2025 teilte sich die Gruppe sogar in „Neue Generation“ und „Widerstands-Kollektiv“, wobei die Neue Generation hierbei eher auf Diskussionen als auf Blockaden setzt.

Gleichzeitig gewinnt ein leiseres Ziel an Bedeutung. Das  „Nature Restoration Law“ der EU verpflichtet alle EU-Länder, bis 2030 mindestens 20 % ihrer Flächen wieder zu renaturieren – also Moore, Flüsse und Wälder in einen besseren Zustand zu bringen. Anders als bei Demos passiert hier vieles im Hintergrund, denn sie nutzen Gesetze und Verwaltung, um ihre Ziele zu erreichen. Mit dem Gesetz sollen konkretere Maßnamen zur Renaturierung umgesetzt werden: „Was wir heute tun, entscheidet darüber, wie die Welt morgen aussieht“.

Die Klimabewegung sieht heute also anders aus als 2019: leiser, aber stärker auf Politik und Gesetze ausgerichtet statt auf große Demos. Ob sich der Kurs langfristig durchsetzt oder ob öffentliche Proteste künftig wieder stärker an Bedeutung gewinnen, bleibt abzuschätzen.