Manche Entwicklungen in der Politik wirken heute so, als würden Dinge zurückkehren, von denen man gehofft hatte, sie nie wieder erleben zu müssen: Witze, die früher vor allem in der Gen Z kursierten und sich sarkastisch mit dem Nationalsozialismus beschäftigten, rücken wieder gefährlich nah an die Realität. Dabei müsste das gar nicht so kommen, denn wir haben die Möglichkeit, durch unsere Entscheidungen einen anderen Weg einzuschlagen.
Die Europawahl am 9. Juni hat gezeigt, wie sich politische Einstellungen aktuell verteilen. CDU/CSU erreichten 29 Sitze, die AfD 15, die SPD 14 und die Grünen 12. Auch an der Gesamtschule Barmen wurde im Rahmen der Juniorwahl gewählt. Im Vergleich zur offiziellen Wahl schnitt dort zum Beispiel die Partei Die Linke erfolgreicher ab. Trotzdem zeigt der generelle Erfolg von Parteien wie der CDU/CSU und der AfD eine politische Entwicklung, die vor allem in Deutschland deutlich wird, jedoch aus unterschiedlichen Gründen.
In vielen europäischen Ländern fühlen sich Menschen von rechten Parteien angesprochen. Das liegt unter anderem daran, dass es diesen Parteien gelingt, extremistische Inhalte mit positiv klingenden Begriffen zu verknüpfen, etwa Frieden, Demokratie, wirtschaftliche Zusammenarbeit oder Grenzschutz. Gleichzeitig zeigt sich an der Gesamtschule Barmen, dass politisches Wissen oft nur oberflächlich vorhanden ist. Politik taucht häufig eher in Form von Witzen oder Trends auf, zum Beispiel über Parteien, die gerade angesagt sind oder in den letzten Jahren besonders viel Aufmerksamkeit bekommen haben.
Sollten rechte Parteien mit diesen scheinbar harmlosen Botschaften an die Macht kommen, hätte das konkrete Folgen. Dazu zählen strengere Grenzschutzmaßnahmen, bei denen Geflüchtete an den Außengrenzen lange auf ihre Einreise warten müssten. Auch die Wiedereinführung nationaler Währungen könnte wirtschaftliche Systeme durcheinanderbringen. Zudem würden bestimmte Lebensformen eingeschränkt. Patchwork-Familien und Alleinerziehende könnten nicht mehr als gleichwertig gelten, homosexuelle Paare möglicherweise kein Adoptionsrecht mehr erhalten.
Diese Entwicklungen spiegeln jedoch nicht zwangsläufig die Haltung der Schülerschaft wider. Gerade deshalb sollte Politik an der Gesamtschule Barmen stärker thematisiert werden. Statt kurzer Videos oder Memes braucht es ein echtes Auseinandersetzen mit der Zukunft Europas. Politisches Wissen muss gefördert und junge Menschen stärker einbezogen werden. Dabei spielt auch die Art der Vermittlung eine große Rolle.
Vielleicht war die Juniorwahl ein kleiner Schritt in eine größere Richtung. Denn am Ende ist es das Kreuz jedes Einzelnen, das unsere gemeinsame Zukunft mitentscheidet.

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