Sollte man in der Schule jederzeit alles tragen, was man möchte? Mit der Kleidung drückt man schließlich seine Persönlichkeit aus. Die Schülervertretung hat in den letzten Monaten die alte Kleiderordnung der Gesamtschule Barmen modernisiert und dabei auch diese Frage diskutiert. Im Interview stellt die ehemalige Schulleiterin Bettina Kubanek-Meis den Stand der Dinge dar.
„Es gibt relativ wenige Dinge, gegen die junge Leute heutzutage noch protestieren können.“
Bettina Kubanek-Meis
Einige Lehrkräfte sehen das offenbar anders, denn sie betrachten die Kleidung einiger Jugendlicher als Provokation: Jogginghose, bauchfrei, zerrissene Jeans. Und hier liegt das Dilemma. Kleidung ist vielseitig, und sie ist etwas Persönliches. Andererseits hat Schule etwas mit Disziplin zu tun. Hier soll man lernen, wie man sich angemessen kleidet. Wie können diese beiden gegensätzlichen Ansichten miteinander vereint werden?
An der Gesamtschule Barmen wird genau das diskutiert. Frühere Ansätze lauteten, sich eine Schuluniform anzulegen oder gemeinsame T-Shirts zu entwickeln, um den Schulzusammenhalt nach außen zu tragen. Diese Ideen haben sich nicht durchgesetzt. Das Wichtigste ist aber zu zeigen: Schule ist in erster Linie Arbeitsort, betont Kubanek-Meis. Natürlich treffe man seine Freunde, aber in der Schule solle man auch äußerlich zeigen, dass man sich konzentriert und arbeitet. Was sagt man also mit vielen Löchern in seinen Klamotten über sich aus? Ist das noch Arbeitskleidung? Wer sich dafür entscheidet, viel Haut am Bauch zu zeigen, vermittelt eher “Strandfeeling”, gibt die ehemalige Schulleiterin zu bedenken.
Die Schülerschaft jedoch vertritt eher die entgegengesetzte Meinung, dass durch Kleidung die Persönlichkeit ausgedrückt wird. Auch das kann Kubanek-Meis verstehen. Bunte Haare, zum Beispiel, seien etwas Schönes und spiegelten Vielfalt wider. Individualität stehe jedoch nicht über allem. In krassen Fällen müsse sich das Individuum den Vereinbarungen der Gemeinschaft unterordnen.
Die SV hat mit ihrem Entwurf der Kleiderordnung versucht, den Widerspruch zwischen Ausdruck der Persönlichkeit und Arbeit zu behandeln. Der Vorschlag hält ein Gleichgewicht zwischen Regelung – dass gezeigt wird, an welchem Ort sich die Schüler aufhalten – und der Widerspiegelung der Individualität, so Kubanek-Meis. Unterstützen soll dabei ein „Kleiderrat“, der alle Gruppierungen der Schule beinhaltet und über Konsequenzen entscheidet. Welche Kleidung ist okay, welche nicht? Dabei sind ausdrücklich nicht Strafen gemeint, denn:
“Durch Sanktionen überzeugt man niemanden.”
Am wichtigsten jedoch sei es, so Kubanek-Meis, dass man Menschen fernab von Kleidung akzeptiert. Vielmehr solle man sich das Gesamtbild eines Schülers anschauen: Erscheinungsbild sowie innere Werte und Leistung.


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