Krankmeldungen unter Lehrern und Schülern nehmen zu, viele klagen über die vielen Aufgaben, die sie kaum noch erledigen können – nicht nur in Klausurphasen. Wer den Gesprächen in den Schulfluren lauscht, muss den Eindruck gewinnen, um die mentale Gesundheit der Menschen in der Schule steht es nicht gut. Was sind die Gründe und was tut die Gesamtschule Barmen gegen das Problem?
Die Schule ist ein Ort, an dem nicht nur Wissen und Fähigkeiten erworben werden, sondern an dem man sich auch persönlich weiterentwickeln kann. Daneben ist es jedoch auch wichtig, sich um seine mentale Gesundheit zu kümmern, wie ich durch meine Interviews mit der Beratungslehrerin der Sekundarstufe 1, Ute Gürtler-Scholl, der Schulseelsorgerin Lisa-Marie Dummer und der Sozialarbeiterin Kerstin Hary erfahren habe.
Was genau versteht man unter mentaler Gesundheit? Sie umfasst unser emotionales, psychologisches und soziales Wohlbefinden. Diese Aspekte werden im Schulalltag häufig mal angekratzt. Der Schulalltag kann manchmal stressig und herausfordernd sein. Prüfungen, soziale Interaktionen und der Druck, gute Noten abzuliefern, sind Gründe, um tief durchzuatmen oder es auch vor lauter Panik nicht zu tun.
Und es wird schlimmer. Gemäß der DAK-Gesundheit ist heute jeder dritte Schüler von depressiven Stimmungen betroffen. Daran hatte Corona einen großen Anteil. Vor der Pandemie fühlte sich nur jeder fünfte Jugendliche psychisch belastet. Die Gründe und Folgen sind vielschichtig: Schüler sind „versumpft“, erklärt Gürtler-Scholl. Durch die Zeit in ihren Betten und durch das Verstecken hinter der Maske sei jungen Menschen ein großer Teil der Sozialisation gestohlen worden. Sie seien unbeholfener mit anderen Menschen und die Kunst der Kommunikation sei verkümmert. Hemmschwellen seien gesunken, Menschen griffen schneller zu Beleidigungen und redeten „ungefiltert“ mit anderen Menschen.
Lehrkräfte sind ebenfalls in ihrer mentalen Gesundheit bedroht. Obwohl man ihren Beruf als Lehrer oder Lehrerin bezeichnet, schlüpfen sie in mehrere Rollen, wie etwa die unterrichtende Person, die tröstende, die beratende, die versorgende, die reglementierende und die Aufsichtsperson. Dabei vergessen sie oftmals Privatperson zu sein. Ein weiterer Stressfaktor für das Lehrpersonal ist das Curriculum, das so viel erwartet, dass die Lehrerkräfte nicht nur sich unter Druck setzen, sondern diesen Druck auch an die Schülerschaft weitergeben. Die Hoffnung ist gering, dass die Bezirksregierung ihre Anforderungen herunterschraubt.
Wie geht deshalb die Gesamtschule Barmen dieses Problem an? Im Schulgebäude findet man mehrere Anlaufstellen: SozialarbeiterInnen, BeratungslehrerInnen und Schulseelsorger. Hier können Schülerinnen und Schüler ihre Sorgen und Ängste teilen und professionelle Hilfe erhalten. Sozialarbeiterin Hary unterstützt Schüler, Eltern und Lehrer bei Gesundheitsfragen bezüglich mentaler Gesundheit und vermittelt zur Not an therapeutische Einrichtungen. Außerdem bietet sie in den Pausen Gesprächsgruppen an. Beratungslehrerin Gürtler-Scholl berät und begleitet Schüler, Lehrer und Eltern in schwierigen Situationen. Eine weitere Anlaufstelle bei Problemen ist die Schulseelsorgerin Dummer. Sie gilt als Ansprechpartnerin für Schüler, die ein schweres Herz haben.
Auch wenn die Schule ein paar Anlaufstellen hat, sind sich die Befragten einig, dass die Schule mehr für das heikle Thema tun muss. Zum einen sollte mehr Personal eingestellt werden, denn „die mentale Gesundheit ist elementar wichtig für jedes Menschenleben“, so Hary. Die GEB hat ca. 1500 Schüler und Schülerinnen und die Beschäftigten können längst nicht jeder Hilfe suchenden Person gerecht werden. Andere Ideen wären, mehr Rückzugsmöglichkeiten für Jugendliche zu schaffen und das soziale Miteinander zu stärken.


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