Der weibliche Körper als Störfaktor? – Sexualisierung von Mädchen im Schulalltag

Sätze wie „Zieh dir mal mehr an, die Jungs können sich sonst nicht konzentrieren“ oder „Das Outfit ist nicht schulgerecht“ begegnen vielen Schülerinnen mehr als nur einmal im Schulalltag. Meist kommen diese Aussagen von Lehrkräften, doch auch Schüler*innen scheinen eine Meinung über das Aussehen ihrer Mitschülerinnen zu haben. Gegen diese Sexualisierung, die den Schulalltag für Betroffene erschwert, muss dringend etwas unternommen werden. Doch was kann die Schule – und was können wir als Einzelpersonen – gegen dieses Problem tun? 

Dass Frauen und Mädchen auf ihren Körper reduziert werden, ist nicht nur ein schulisches, sondern ein gesamtgesellschaftliches Problem, das als Sexualisierung bezeichnet wird. Darunter versteht man, dass Mädchen und Frauen aufgrund ihrer Kleidung oder ihres Aussehens sexualisiert oder anders bewertet werden, ohne dass sie dies wollen. Frauen wurden in der Gesellschaft lange Zeit unterdrückt und Männern untergeordnet. Zwar hat sich dies im Laufe der Zeit verbessert, doch bis heute sind die Auswirkungen dieser jahrhundertelangen Diskriminierung spürbar. 

Wie die Redewendung „Der Mensch ist ein Gewohnheitstier“ verdeutlicht, fällt es vielen schwer, aus alten Denkmustern auszubrechen. Darüber hinaus ist die Aufrechterhaltung patriarchaler Strukturen – also einer Gesellschaftsordnung, in der Männer mehr Einfluss und einen höheren Stellenwert haben als Frauen – eine Möglichkeit, weiterhin Kontrolle über Frauen und ihre Körper auszuüben. Deshalb fehlt bei manchen Menschen das Bedürfnis, eigene Denk- und Verhaltensmuster zu hinterfragen oder zu verändern. 

Auch zunächst klein erscheinende Eingriffe, wie der Versuch, Frauen dazu zu bringen, ihren Körper zu bedecken, oder die Sexualisierung weiblicher Körpermerkmale, stellen Formen von Diskriminierung und systematischer Unterdrückung dar. Doch wie zeigt sich diese Sexualisierung konkret im Schulalltag? 

„Ich kann verstehen, dass die Schule ein Lernort ist und eine bestimmte Kleiderordnung eingehalten werden muss, aber ich finde es nicht okay, wenn gesagt wird, dass ich mir etwas überziehen soll, nur weil jemand anderes sich angeblich nicht konzentrieren kann. Warum werde ich beschuldigt, wenn sich eigentlich die andere Person selbst im Griff haben sollte?“, kritisiert eine Schülerin und bringt damit das zum Ausdruck, was viele empfinden.

Eine weitere Schülerin bemängelt: „Es ist so, dass ein Mädchen mit Ausschnitt viel strenger bewertet wird als ein Junge in Jogginghose, obwohl beides laut Kleiderordnung verboten ist.“ Die immer wieder geführte Diskussion darüber, wie eine angemessene Kleiderordnung aussehen sollte, beschäftigt viele Schüler*innen. Doch unabhängig davon, was erlaubt ist oder nicht, sollte das Tragen eines engen T-Shirts oder eines kurzen Rocks niemals ein Grund für Sexualisierung sein – schon gar nicht in einem Schutzraum wie der Schule. 

Doch an wen können sich Betroffene wenden, wenn sie Sexualisierung im Schulalltag erleben oder sogar Opfer sexueller Übergriffe werden? An unserer Schule gibt es mehrere Anlaufstellen. Dazu gehören die Schulsozialarbeiterinnen Frau Wuttke und Frau Hary sowie die Beratungslehrerin Frau Gürtler-Scholl, die auf der Galerie im Raum D1.03 zu finden ist. Eine weitere Ansprechpartnerin, von der viele Schüler*innen vermutlich nichts wissen, ist Frau Dummer. Sie ist sowohl Schulseelsorgerin als auch Gleichstellungsbeauftragte an unserer Schule. 

Als Seelsorgerin unterliegt Frau Dummer einer besonderen Schweigepflicht. Das bedeutet, dass sie nichts von dem weitergeben darf, was ihr anvertraut wird – unabhängig vom Inhalt. Betroffene müssen sich also keine Sorgen machen, dass ihre Geschichte ohne ihr Wissen weitererzählt wird oder Maßnahmen ohne ihre Zustimmung eingeleitet werden. Deshalb ist es wichtig, sich Hilfe zu suchen, wenn man Sexualisierung innerhalb oder außerhalb der Schule erlebt hat. Niemand muss damit allein bleiben. 

Auch wenn an unserer Schule bereits einiges getan wird, um Betroffenen im Nachhinein zu helfen, sollte noch stärker daran gearbeitet werden, solche Vorfälle präventiv zu verhindern. „Ich glaube, wir leben in einer Welt, in der wir Mädchen schützen müssen. Aber eigentlich sollte das nicht der Ansatz sein. Der Ansatz sollte sein, dass Jungs verstehen, dass nein nein heißt“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte Frau Dummer. 

Eine mögliche Maßnahme wären Workshops, in denen Schüler*innen frühzeitig lernen, was Sexismus ist, warum er problematisch ist und wie man ihm begegnen kann. Auch Angebote zu Zivilcourage oder ähnlichen Themen wären – nicht nur in diesem Zusammenhang – eine sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Präventionsmaßnahmen. Ebenso wichtig ist eine Sensibilisierung der Lehrkräfte, um einen angemessenen und unterstützenden Umgang mit Betroffenen zu fördern. 

Abschließend lässt sich festhalten, dass die Sexualisierung von Mädchen und Frauen weiterhin ein großes gesellschaftliches Problem darstellt und sich auch im Schulalltag widerspiegelt. Gerade der Schutzraum Schule muss sich dessen bewusst sein und aktiv nach Lösungen suchen, damit Schule ein sicherer Ort für alle Schüler*innen bleibt. 

An alle Schülerinnen da draußen:

Ihr seid nicht da, um zu gefallen –
ihr seid da, um echt zu sein! ❤️